Archiv für Juni 2014

Redebeitrag zur Freiraumdemonstration „Der Freiraum in den Köpfen, schafft den Freiraum auf der Straße“ in Halle 2014

Freiraum, Zwang und Stadtkultur oder Worüber ihr nicht redet – Redebeitrag zur Freiraudemon in Halle 2014

Freiraum, Zwang und Stadtkultur oder Worüber ihr nicht redet

Selbstbeschäftigung oder Gesellschaftskritik?

Bei der heutigen Demonstration soll der Stadt Halle und ihren Bürger_innen gezeigt werden, dass die
linke Subkultur auch noch da ist und etwas zu sagen hat. Leider wendet sich die Subkultur damit wieder
mal an sich selbst, statt an die hallesche Bevölkerung. Laut Aufruf soll es vor allem darum gehen,
was die Linke bzw. die Organisator_innen unter ‚Freiraum‘ verstehen. Wir werden heute nichts zu diesem
abstraktem Begriff und seiner vermeintlichen Bedeutung sagen, sondern zu Sachverhalten, die uns
in diesem Zusammenhang dringender erscheinen. Die hallesche Wohnungsgenossenschaft „Freiheit“
beispielsweise bewirbt das Wohnkonzept „FreiRaum“ mit folgenden Worten: „Unsere Wohnungen verkörpern
junges Lebensgefühl! Wir bieten euch selbst zu verwirklichende Wohnträume. Bei uns könnt
ihr euch euren eigenen FreiRaum gestalten.“Die zentralen Schlagwörter in Freiraumdiskussionen wie
„Lebensgefühl“, „Verwirk-lichung von Träumen“ und „Freiraumgestaltung“ sind hier schon enthalten.
Es ist keine Seltenheit, dass bestimmte Konzepte aus einer alternativ-linken Subkultur Eingang in hippe
Marketingkonzepte finden. Das zeigt die gesellschaftliche Verzahnung und Verwertbarkeit dieser Subkultur.
Nimmt man die Thematik des Lebens im Kapitalismus und dessen Zumutungen in der Stadt ernst,
dann würde man genügend andere wichtigere Tage und Anlässe finden, um zu demonstrieren als das
jährliche Reilstraßenfest. Dann müsste man vor allem über die Zumutungen der kapitalistischen Stadt
und Stadtplanung sprechen, denn gerade hier kann man Einschränkungen kleinerer oder größererer öffentlicher
„Freiheiten“ sowie exklusive und repressive Stadtentwicklungen erleben. Wir wollen uns hier
mit Halle als Ausdruck der kapitalistischen Organisierung städtischen Lebens auseinandersetzen. Denn
es reicht nicht aus, einen Raum zu schaffen oder ihn zu fordern, sondern man muss sich die materiellen
und sozialen Verhältnisse ansehen, in denen dieser Raum liegen würde. (mehr…)