Archiv für April 2015

Thank you Allies – Halle war Täterstadt!

Flugblatt als PDF: Flugblatt Luckner-Gedenken April 2015

Thank you Allies – Halle war Täterstadt!
Seit einigen Jahren finden in Halle Gedenkveranstaltungen an das Kriegsende in der Saalestadt statt, die von der Graf von Luckner-Gesellschaft ausgerichtet werden, und sogar Schützenhilfe von Stadtmarketing und örtlichem Provinztheater erhalten. Die Beliebtheit der Veranstaltung – mittlerweile nehmen mehrere Hundert Personen teil – erklärt sich dabei vor allem aus ihrem eigentlichen Zweck: Nicht darüber reflektieren zu müssen, dass die ausgebliebene Bombardierung der Stadt Halle weniger der Opposition ihrer Bewohner gegen den Nationalsozialismus, als einem Treppenwitz der Geschichte zu verdanken ist. Entsprechend wird am heutigen Tag über alles mögliche gesprochen – Zivilcourage, Deutsch-Amerikanische Beziehungen, die Verhandlungsgespräche eines örtlichen Seefahrers und Märchenonkels mit den amerikanischen Streitkräften – nur über eines nicht: Die deutsche Volksgemeinschaft. Mit dem aufgeplusterten Erinnern an das Kriegsende, bei dem selbst noch den einstigen Gegnern eine Statistenrolle zukommt, soll deshalb vor allem der Grundstein gelegt werden, dass alles weitergeht wie bisher.
Das Einladungsblatt zur heutigen Veranstaltung sieht nicht nur aus wie eine schlechte schwarz-weiß Kopie aus SED-Zeiten, sondern erklärt auch nach bekanntem Muster den Nationalsozialismus zur Fremdherrschaft durch eine kleine Clique. Das Motto lautet entsprechend: „70.Jahrestag der Befreiung unserer Heimatstadt von der Hitlerdiktatur durch die amerikanische Armee“ – als seien die Hallenser die ersten Opfer und nicht etwa die Träger des Nationalsozialismus gewesen. Es wird so getan, als hätten die Hallenser nur auf einen Moment gewartet, endlich Widerstand ausüben zu können und nicht die Mittel gehabt und als wäre dieser Moment im April 1945 endlich gekommen. (mehr…)

Das Kriegsende in Halle – Ein Lehrstück deutscher Erinnerungskultur

Das Kriegsende in Halle – Ein Lehrstück deutscher Erinnerungskultur

Der Mythos einer unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung wird in Deutschland vor allem bei lokalen Erinnerungsveranstaltungen mit besonderem Nachdruck gepflegt. Die Begeisterung, mit der sich jährlich Hunderte zusammenfinden, um der Bombardierung ihrer jeweiligen Stadt zu gedenken, zeugt davon. Die Erinnerung an das „Leiden deutscher Zivilisten“ unter den Bomben der Alliierten, soll den Umstand verdecken, dass dieselben Deutschen kein Problem damit hatten, sich in die Volksgemeinschaft einzureihen, jahrelang direkt oder indirekt von Arisierung und Raubkrieg zu profitieren, Juden zu verfolgen und der NSDAP begeistert Beifall zu spenden. Deshalb konnte der zweite Weltkrieg nicht wie der erste mit einem Generalstreik, sondern nur durch die militärische Niederlage Deutschlands beendet werden. Um diesen Umstand nicht reflektieren und damit die Wahrheit über den Charakter der deutschen Volksgemeinschaft nicht anerkennen zu müssen, werden immer wieder Einzelpersonen aufs Podest erhoben, die das Existieren aufrechter Deutscher beweisen sollen. Dies ist selten ohne Verbiegen, Verschweigen und Verdrehen der Geschichte möglich. Die Erinnerung an das Kriegsende in Halle ist dafür ein Lehrstück. (mehr…)