„Dissidente Intellektuelle – Fritz Bauer, Peter Brückner, Eike Geisel – von der Bonner bis zur Berliner Republik“

Es gibt Menschen, an deren Biografien die politischen Verhältnise ihrer Zeit aufscheinen.
Für die alte BRD, die „Bonner Repbulik” sind dies zum Beispiel Fritz Bauer und Peter Brückner. Für die Geburtsstunden der „Berliner Republik” steht vor allem das Schaffen Eike Geisels.
Bauer wurde zum linksliberalen Dissidenten, weil die Verfolgung von ehemaligen NS-Tätern ihm zur Gewissensfrage wurde – als linksliberaler Jurist konnte er den Gegensatz von Rechtsstaat und Staatsräson nicht ertragen. Für den Staatskritiker Brückner hingegen, galt dieser Gegensatz ohnehin
nur als Schleier, hinter dem sich die Herrschaftsverhältnise des Kapitals verbergen. Da er als Hochschullehrer zugleich das Recht des Bürgers auf öffentliche – auch radikale – Kritik in Anspruch nahm, wurde er in den 70er Jahren vor dem Hintergrund der allgemeinen Hysterie um den Terror der RAF mehrfach suspendiert. Mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus wandelte sich dies grundlegend: Was Bauer noch den Zorn seiner Kollegen einbrachte – die Forderung nach Aufarbeitung –, wurde zum Mantra breiter zivilgesellschaftlicher Kreise und zum neuen Selbstverständnis der Bundesrepublik. An die Stelle der vorhergehenden Repression folgte die (Selbst-)Integration linksintellektueller Kreise. Einer, der sich nicht integrieren wollte, war Eike Geisel. Er etablierte sich in den Geburtsstunden der Berliner Republik als einer ihrer schärfsten Kritiker und sah immernoch Gründe zur Dissidenz: „Gerade die offenherzige Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ging reibungslos konform mit wachsendem Ausländerhass und parteiübergreifendem Patriotismus, wohingegen wahrhafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einzig darin bestünde, den notorischen Zusammenhang zu kündigen.”
Im Gegensatz zu den vorherrschenden Geschichtsbildern wollen wir – die Gruppe Gesellschaftskritische Odysee (Geko) – die Geschichte der BRD nicht als eine fortlaufende Erfolgsgeschichte, die vom Wirtschaftswunder über den demokratischen Aufbruch bis zur Etablierung einer „Zivilgesellschaft” reicht, erzählen. Aus diesem Grund zeigen wir drei Filme über nonkonformistische Intellektuelle in der Bundesrepublik:

Wir zeigen drei Wochen in Folge jeweils Donnerstags im Kino und Bar Zazie – kleine Ulrichstraße 22 Halle (Saale) – die Filme:
07.04.2016 Tod auf Raten (Fritz Bauer) 18:15 Uhr
14.04.2016 Aus dem Abseits (Peter Brückner) 18:15 Uhr
21.04.2016 Trimph des guten Willens (Eike Geisel) 18:00 Uhr

Die Filme werden von uns mit einem kurzen Inputreferat versehen. Beim letzten Film ist der Regisseur anwesend und wird in den Film einleiten, sowie für Diskussionen im Nachgang zur Verfügung stehen.