Redebeitrag zur Demonstration „Straight to Hell“ in Bornhagen

Liebe Bornhagener,

nach unseren Demonstrationen in Insel und Tröglitz dachten wir, provinzieller und einfältiger geht es nicht mehr. Dann aber kam Bornhagen und mit euch die Provinz-Björns und Berufs-Bodos dieser Republik und bewiesen uns das Gegenteil. Es schien fast so, als ob ihr und eure Oberhäuptlinge einen schlechten Witz machen wolltet, indem ihr das Bild, dass wir von der ostdeutschen Provinz gezeichnet haben, nicht nur bestätigt, sondern noch übertrumpft habt.

Da war Bodo Ramelow von dem wir zunächst nur dachten, er würde wie alle Ostpolitiker nur seine Schäfchen verteidigen und sie von der Verantwortung ihrer Wahl der AfD freisprechen. Als er dann seinen Antifa-Nazimethoden-Vergleich anbrachte und sich auch am lautstarken Beifall von richtigen Neonazis nicht störte, belehrte er uns eines Besseren: Anders als der Steins- und der Friesenbach, die ihr so stolz auf eurem neuen Wappen tragt haben AfD und Linkspartei mehr als nur denselben Wählerquell. Vielmehr fließen sie an vielen Stellen direkt ineinander. Mit den beiden Parteien ist es, wie mit einem Bruderstreit beim Familienfest in Bornhagen: Das ganze Jahr über liegen die beiden Bauernbrüder im Streit, wenn aber zu Weihnachten der verhasste Onkel aus Berlin kommt, dann rückt man zusammen, um sein Recht die Sau durchs Dorf zu treiben, gegen die großstädtische Libertinage zu verteidigen.

Die Häuptlinge dieser „Querfront der westdeutschen Ossiversteher” wie wir sie nannten sind deshalb nicht zufällig Björn und Bodo. Sie stehen auch persönlich für all das, was wir kritisieren und womit ihr euch identifizieren könnt: Ein autoritäres Staatsverständnis, die Inszenierung als verfolgte Unschuld, mangelnde Affektkontrolle – die ihr unter dem Vorwand des Herrentages auch heute wieder ausleben werdet – und nicht zuletzt den Wunsch zurückzukehren zu direkteren persönlichen Herrschaftsverhältnissen.

Euer Bürgermeister beweist das nur zu gut, wenn er sich nicht entblödet sich in der Presseöffentlichkeit zu beschweren, dass Bornhagen „gar kein Mitspracherecht” bei unserer Demonstration gehabt habe. Ginge es nach ihm, dann dürften wir, wie er in der Zeitung erklärte, „nur am Sportplatz” unsere „Runden drehen.” In Bornhagen ist noch nicht angekommen, dass mittlerweile das Grundgesetz gilt und Versammlungen nicht mehr vom Gutdünken lokaler Patriarchen abhängen. Kein Wunder, denn in der Regel qualifiziert in der ostdeutschen Provinz nicht der Blick über die Dorfgrenze und in Gesetzestexte zum Stammesführer, sondern die aggressivste Weinerlichkeit.

Noch nie waren sich Lokalpolitiker, verstaubte Beamte – auf die ihr sonst immer so schimpft – AfD und Linkspartei so einig, wie derzeit, wo es darum geht euer Herrentagsrecht auf besinnungsloses Komasaufen und kollektive Enthemmung zu verteidigen.

Selbst die lokale Versammlungsbehörde simulierte für euch den Beschützer des kleinen Mannes und seines liebsten Feiertages, indem sie ein Signal des Verständnis sendete und unsere Demonstration verbot. Dass es bei dem Verbot um eine symbolische Geste an den hiesigen Wutbürgermob geht, war vollkommen klar, schließlich gaben sie nicht einmal einen Verbotsgrund an und dürften gewusst haben, dass sie vor Gericht scheitern werden.

Wir hoffen jedenfalls, dass die wenigen vernünftigen Leute, die es hier gibt – wie die Menschen von der aufrufenden Antifagruppe Association Progres aus dem Eichsfeld – so schnell wie möglich diesem Irrsinn entfliehen und hier wegziehen können.

In einem Punkt müssen wir euch zum Abschluss aber noch widersprechen: So sehr wir uns darüber freuen, dass es zu Einbrüchen des Tourismus in euren Ort gekommen ist, so sehr müssen wir die Ehre zurückweisen, dass dies unser Verdienst ist. Unsere Demonstrationen bringen stets nur die Aufmerksamkeit der überregionalen Medien. Sich vor laufender Kamera freiwillig blamieren und damit Touristen verschrecken, das macht ihr in der Regel selbst. Egal, wie negativ und hinterwäldlerisch wir Bornhagen zu beschreiben versuchen, sobald ihr euch selbst zu Wort meldet, legt ihr noch eine Schippe oben drauf. In diesem Sinne möchten wir zum Schluss einen O-Ton von einem alten Neonazi aus eurer Mitte einspielen, dass er auf youtube veröffentlichte und in dem euer Haß auf die Zivilisation besser zum Ausdruck kommt, als in jeder Beschreibung von uns:
Torsten Heise auf youtube

[Nachtrag: Und wieder einmal habt ihr bewiesen, dass ihr in der Lage seid, jeden Beschreibungsversuch von uns noch in den Schatten zu stellen. Euer Landrat brachte es fertig den Neonazi Heise in Sachen Volksgemeinschaftsrhetorik und völkischem Heimatkitsch noch zu überbieten.So erklärte er der Presse:
„Das Eichsfeld reduziert den Menschen nicht auf seine politische Farbe. Der normale Eichsfelder definiert sich aus seinem Dorf, aus seiner Religion, aus seiner Verwandtschaft, aus seinem Beruf.”]


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