Make Identity great again- Über das Verhältnis von Gesellschaftskritik und Betroffenheitskitsch

In den letzten Jahren sind Konzepte wie „Critical Whiteness“, „Cultural Appropriation“ und andere Ansätze der queeren Theorie, wie Homonormativität, unter einem emanzipatorischen Label gerade in linken und popkulturellen Medien en vogue geworden. Sie versprechen einen aufgeklärteren, kritischeren Umgang mit Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit sowie Fragen von Gender und einer gerechteren Gesellschaft. Man gewinnt den Eindruck, dass eine Auseinandersetzung mit den Konzepten und die Infragestellung des tatsächlichen emanzipatorischen Gehalts durch einen absoluten Wahrheitsanspruch des Konzeptes der „Betroffenheitsposition“ verhindert wird. Es entsteht das Problem, dass Erfahrungswissen und analytische Abstraktion, die für eine gesellschaftliche Auseinandersetzung notwendig sind, nicht mehr vermittelt gedacht werden: so können dann auch nur noch „betroffene“ Individuen oder Gruppen über einen gesellschaftlich relevanten Gegenstand reden oder darin zumindest das letzte Wort haben.

Im Februar 2017 erschien in diesem Kontext der Sammelband „Beißreflexe“ von Patsy l’Armour LaLove, der mit einem positiven Bezug auf die Entstehung der queeren Bewegung in den USA aktuelle Entwicklungen innerhalb von Theorie und queerer Szene kritisch in den Blick nimmt.
Die Veröffentlichung stieß prompt auf heftige Reaktionen, welche die Relevanz der Auseinandersetzung verdeutlichen: während KritikerInnen das Buch wegen seiner etwaigen *feindlichen Momente ablehnen, sehen andere Rezensionen das Potenzial in einer innerlinken und gesellschaftlichen Auseinandersetzung.
Ähnlich heftige Reaktionen riefen auch Vorträge der Gruppe „Aktion 3. Welt Saar“ zum Thema Kritik am Critical Whiteness-Konzept hervor, die mit massiver Vehemenz zu verhindern versucht wurden.

Mit den beiden Vorträgen wollen wir die Möglichkeit bieten sich kritisch mit den Konzepten auseinanderzusetzen: was sind die autoritären Sehnsüchte und Sprechverbote? Welche Funktion erfüllen sie und wie stehen sie im Verhältnis zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen, in denen sich aus dem rechten Spektrum rassistische und antifeministische Positionen ausbreiten?

12.06.17 // 18 Uhr// Franckeschen Stiftungen, Haus 31, Hörsaal 1. OG
Beissreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten. [http://bit.ly/2sJmND2]

29.06.17 // 18 Uhr// Seminar für Ethnologie in der Reichhardtstraße 11
Wie kritisch ist Critical Whiteness? Zur Kritik des neueren Antirassismus. [http://bit.ly/2swnLn0]


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