Das Kriegsende in Halle – Ein Lehrstück deutscher Erinnerungskultur

Das Kriegsende in Halle – Ein Lehrstück deutscher Erinnerungskultur

Der Mythos einer unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung wird in Deutschland vor allem bei lokalen Erinnerungsveranstaltungen mit besonderem Nachdruck gepflegt. Die Begeisterung, mit der sich jährlich Hunderte zusammenfinden, um der Bombardierung ihrer jeweiligen Stadt zu gedenken, zeugt davon. Die Erinnerung an das „Leiden deutscher Zivilisten“ unter den Bomben der Alliierten, soll den Umstand verdecken, dass dieselben Deutschen kein Problem damit hatten, sich in die Volksgemeinschaft einzureihen, jahrelang direkt oder indirekt von Arisierung und Raubkrieg zu profitieren, Juden zu verfolgen und der NSDAP begeistert Beifall zu spenden. Deshalb konnte der zweite Weltkrieg nicht wie der erste mit einem Generalstreik, sondern nur durch die militärische Niederlage Deutschlands beendet werden. Um diesen Umstand nicht reflektieren und damit die Wahrheit über den Charakter der deutschen Volksgemeinschaft nicht anerkennen zu müssen, werden immer wieder Einzelpersonen aufs Podest erhoben, die das Existieren aufrechter Deutscher beweisen sollen. Dies ist selten ohne Verbiegen, Verschweigen und Verdrehen der Geschichte möglich. Die Erinnerung an das Kriegsende in Halle ist dafür ein Lehrstück. (mehr…)

Thank you Allies – 70. Jahrestag des Einmarsch der Alliierten in Halle | Vortrag / Konzert / Aftershow

- 17. April im VL -

// Vortrag – „Über die Aufarbeitung der Vergangenheit“ mit Philipp Schweizer – Beginn 18.30 Uhr (Ankündigung siehe unten)

// Konzert – Einlass 21.00 Uhr

Static Means​ (Post Punk / Leipzig)
[https://www.facebook.com/pages/Static-Means/1502089493364308]
[http://staticmeans.blogsport.de/]

Haddocks​ (Streetpunk/Oi / Jena)
[https://www.facebook.com/DieHaddocks]
[http://diehaddocks.bandcamp.com/]

// Aftershow

Dennis Déjanté​ (Tech House / Jena)
[https://www.facebook.com/dennisdejante]
[https://soundcloud.com/dennisdejante]

Lea Legrand (Halle/Saale)

N!nze & Okaxy Syndicat​ (Reich & Schön, In Höchsten Höhen, Lush Life / Leipzig)
[https://www.facebook.com/Ninze.Okaxy]
[https://soundcloud.com/ninzeokaxy]

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Alle Einnahmen gehen an die Kampagne 70 Years – The Allied Triumph Over Germany​ (http://70years.blogsport.eu/)

Thank you Allies – Warum wir den Einmarsch der Allierten feiern

Der Mythos einer unschuldigen deutschen Zivilbevölkerung wird in Deutschland vor allem bei lokalen Erinnerungsveranstaltungen mit besonderem Nachdruck gepflegt. Die Begeisterung, mit der sich jährlich Hunderte zusammenfinden, um der Bombardierung ihrer jeweiligen Stadt zu gedenken, zeugt davon. Die Erinnerung an das „Leiden deutscher Zivilisten“ unter den Bomben der Alliierten, soll den Umstand verdecken, dass dieselben Deutschen kein Problem damit hatten, sich in die Volksgemeinschaft einzureihen, jahrelang direkt oder indirekt von Arisierung und Raubkrieg profitierten, jüdische Nachbarn verfolgten und der NSDAP begeistert Beifall spendeten.
In diesem Kontext steht auch das Gedenken an das Kriegsende in Halle, bei dem jährlich Graf Luckner, einem Opportunisten und Antisemiten gedacht wird, weil ihm der Verdienst zugeschrieben wird, dass Halle nicht bombardiert wurde und er tausenden Menschen das Leben gerettet hätte. Die Bombardierung bzw. Nicht-Bombardierung wird so zu einem Schicksalsschlag umgedeutet, der viele Städte ereilte und Halle auf Grund seiner mutigen Bürger verschonte. Das Gedenken zum Kriegsende in Halle dient deshalb vor allem einem Zweck: Nicht darauf reflektieren zu müssen, dass der Krieg, der im April 1945 nach Halle zurückkam, die Konsequenz aus der mörderischen deutschen Volksgemeinschaft war, zu der auch Halle gehörte und der Bruch mit dieser die einzig konsequente Reaktion gewesen wäre.
In Halle aber gedenkt man nicht jenen, die diese Konsequenz zogen, sondern sucht sich „Helden“, die das Regime zwar getragen hatten, aber in letzter Minute erkannten, dass der Endsieg ausbleiben würde. Dabei motivierte Luckner und seine Kameraden nicht die Gegnerschaft zur deutschen Volksgemeinschaft und der Bruch mit ihren Volksgenossen, sondern der Wunsch, diese unbeschadet in die Friedenszeit hinüberzuretten.

Im Bewußtsein, dass die deutsche Bevölkerung nicht die Geiseln eines Terrorregimes waren, sondern seine Träger danken wir deshalb jenen, die ihr mit Bomben und Panzern das Handwerk gelegt haben. Deshalb feiern wir den Einmarschtag der Allierten nach Halle am 17.April.

Gesellschaftskritische Odysee (Geko) März 2015

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Vortragsankündigung – Über die Aufarbeitung der Vergangenheit

Noch vor 50 Jahren schienen die Fronten klar: die Erinnerung an den Nationalsozialismus richtete sich nicht nur gegen das Schweigen der eigenen Väter und Onkel, sondern auch das er gesamten deutschen Öffentlichkeit. Diese wollte lieber auf eine große Zukunft Deutschlands hinarbeiten und dazu einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen, anstatt sich mit der Erinnerung an die abzugeben, die im Namen Deutschlands und seiner Zukunft ermordet wurden. Vor diesem Hintergrund schien jedes Erinnern ein Angriff auf den emsigen Wiederaufbau und Ruhe und Ordnung zu sein – kurz es war praktische Subversion.
Heute hat die offizielle Politik hingegen eine umfassende Erinnerungskultur etabliert. Bei Gedenkveranstaltungen zur Befreiung von Auschwitz oder zum Ende des Nationalsozialismus in Bundestag und -rat zitiert man sogar einen Theodor W. Adorno. Dabei hatte dieser seinen Vortag von 1959 zur Aufarbeitung der Vergangenheit damit geschlossen, dass diese erst aufgearbeitet war, wenn die „Ursachen des Vergangenen beseitigt wären“ und dachte dabei an die praktische Beseitigung des Kapitalismus.
Der Vortrag vergegenwärtigt zunächst die Überlegungen aus Adornos Vortrag „Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit“ (1960), um in Anschluss an diese die Veränderungen des öffentlichen Gedenkens in den letzten 35 Jahren zum umreißen und die Frage aufzuwerfen vor welcher Aufgabe das Erinnern an den Nationalsozialismus heute steht.

Philipp Schweizer ist Mitglied der Falken Erfurt [www.falken-erfurt.de], die (noch) eher weniger erfolgreich versuchen Solidarität in der Trostlosigkeit und Ansätze zu einer materialistischen Kritik der Gesellschaft zu organisieren.

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Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/808191079287852/

Workshop – Einführung in die Kapitalismuskritik

Wir wiederholen unseren Einführungsworkshop in die Kapitalismuskritik am 25. und 26 Oktober im Rahmen des Alternativen Vorlesungsverzeichnis des Studierendenrates der MLU-Halle.

Was sollen die ganzen Krisen?
Warum muss ich immer so früh aufstehen?
Sind die Banker an allen schuld?
Was ist Kapitalismus und wie funktioniert er?

In den zweitäiger Workshop zur Kapitalismuskritik soll sich einführend mit den Grundlagen des Kapitalismus und seiner Kritik beschäftigt werden.
Im ersten Teil des Workshops wird sich damit auseinandergesetzt, was Kapitalismus überhaupt ist, wie dieser funktioniert und was an ihn kritikwürdig ist. Am zweiten Tag geht es dann u.a kritisch um spezifische Formen der Kapitalismuskritik von Rechts und andere Krisenideologien und deren falschen Vorraussetzungen.
Zusammen wollen wir eine kritische Perspektive auf die gegenwärtige kapitalistische Gesellschaft entwickeln.
Der Workshop richtet sich an Personen, welche sich bisher noch nicht weitergehend kritisch mit der kapitalistische Gesellschaft auseinandergesetzt haben, aber dies gerne zusammen mit anderen tun möchten.

Für grundlegende Verpflegung ist gesorgt.
Wir bitten um eine Anmeldung unter geko@riseup.net

Der Workshop findet am 25. und 26.Oktober statt und fängt jeweils um 10Uhr an.

Vortrags- und Informationsempfehlungen zur Postwachstumsbewegung

Vortragsempfehlung.

Am Dienstag findet vom Arbeitskreis Kritischer Intervention des AK ALV des Stura Uni Halle ein Vortrag zum Thema: „Widerstand gegen sich selbst“ – Konsumkritik als subversive Praxis oder kapitalistische Selbstoptimierung? statt.

Vortrag von Ulrich Schuster und Lydia Jacobi (Roter Salon, Leipzig)

Di 14.10 19:30 Uhr, Radio Corax ,Halle, Unterberg 11.

Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, vegetarische und vegane Kost, fair gehandelte Produkte, sauberer Strom, Tauschbörsen und Aufrufe zum Shoppingverzicht – der Trend geht zum kritischen Konsumbewusstsein. Längst hat Konsum- und Wachstumskritik die Nischen des politischen Aktionismus und der Subkultur verlassen. Die im September in Leipzig durchgeführte degrowth-Konferenz wurde nicht nur von etablierten Stiftungen und staatsnahen Bildungseinrichtungen unterstützt, es kamen auch Tausende, um dabei zu sein.
Doch worauf zielt eine Bewegung, deren Aufrufe zum Maßhalten und Verzicht die ohnehin gestressten Individuen zu mehr Selbstkontrolle anhalten? Was kommt heraus, wenn sich die Kritik nicht gegen Standortkonkurrenz und Mehrwertproduktion wendet, sondern glaubt das kapitalistische Wachstumsmonster durch „Widerstand gegen sich selbst“ und gelebte Utopien besänftigen zu können?
Gegenüber der Aufmotzung der als Spektakel daherkommenden Konsumkritik zur Befreiungsperspektive ist Skepsis angebracht. Doch worauf läuft sie hinaus? Dem Unbehagen an den negativen Folgen der kapitalistischen Warenwelt für den Menschen und dem Wunsch, nachhaltig zu leben, lässt sich angesichts der Produktion von Giftmüll und minderwertigen Lebensmitteln und im Wissen um den Raubbau an Naturressourcen nicht jegliches kritisches Potential absprechen. Im Vortrag wird es deshalb darum gehen, den Gehalt der Konsumkritik zu beleuchten und ihre Übergänge in affirmative Denk- und Verhaltensweisen aufzuzeigen.

Eine Veranstaltung des AK Kritische Intervention des Alternativen Vorlesungsverzeichnis des Stura der Uni Halle

Zum Thema Kritik an der Postwachstumsökonomiebewegung gibt es vom Communistischen Labor translib aus Leipzig die Borschüre „16 Thesen zur Degrowth-Konferenz“ veröffentlicht: 16 Thesen zur Degrowth-Konferenz“
Desweiteren hat sich der Arbeitskreis Zweifel & Diskurs auf seinem Blog mit diesen Thema in mehreren Beiträgen beschäftigt: Zweifel & Diskurs

Beim Audioarchiv findet sich zu diesen Thema noch ein Vortrag von Daniel Späth mit den Titel: „Postwachstumsbewegung: Eine Variante (links)liberaler Krisenverdrängung“ zum nachhören.

Demonstration „Schnauze in der Platte“ am 9.August in Halle